Von A bis O
Picassos Frauen von Algier
No. 02/2021
Eine der größten und außergewöhnlichsten Werkserien in Pablo Picassos Œuvre, Les Femmes d’Alger, gilt als Auftakt zu seinem Spätwerk. In nur drei Wintermonaten 1954/55 schuf er 15 Ölgemälde zu diesem Thema. In keiner öffentlichen Sammlung der Welt hängt mehr als eines dieser Bilder, nun ist erstmals seit Anfang der 1960er Jahre ein Großteil der Serie gemeinsam zu sehen.
„Dieser Bastard. Er ist wirklich gut“, soll Picasso geäußert haben, nachdem er im Louvre die Werke Delacroix’ studiert hatte. Dessen Gemälde Femmes d’Alger inspirierte ihn zu einer gleichnamigen malerischen Serie, die eine besondere Rolle innerhalb seines Werkes aber auch der Kunstgeschichte einnimmt. Nicht nur das Bildmotiv – eine Haremsszene –, sondern auch die Bildidee und Anordnung der Figuren in Delacroix’ Gemälde veranlassten Picasso, die Möglichkeiten der malerischen Variationen auszuloten: „Wenn es eine einzige Wahrheit gäbe, könnte man nicht hundert Bilder über dasselbe Thema malen.“ Die Darstellungen sind zum Teil farbintensiv und weichkurvig, andere wirken mit ihren scharfen Kanten in Grautönen wie eine Rückbesinnung auf die Sprache des Kubismus. Die Kombination aus Serialität, Traditionsbezug und Stilvielfalt vereinen sich in dieser Serie zu etwas Einzigartigem.
Picassos Femmes d’Alger stehen im Mittelpunkt der Berliner Ausstellung, in der neun Versionen zu sehen sind. In dem begleitenden Katalog sind alle Ausführungen in ihren originalen Größenverhältnissen abgebildet. Darüber hinaus schlägt der Band den Bogen von Delacroix bis hin zu zeitgenössischen künstlerischen Positionen, wie die der algerischen Schriftstellerin Assia Djebar und der Videokünstlerin Zoulikha Bouabdellah, die das Thema der Femmes d’Alger hinterfragen und weiterentwickeln. um
Picasso & Les Femmes d'Alger Bis 8. August 2021 Museum Berggruen, SMB Berlin Katalog zur Ausstellung Text: Deutsch/Englisch/Französisch 192 Seiten, 130 Abbildungen in Farbe Hirmer Verlag 39,90