Francisco Sierra
No. 01/2026
Delfine im glitzernden Meer, ein Baguette als Luftschiff, ein Brocken rohes Fleisch, ein Stück Teppich, eine sechs Meter hohe Neonspinne: Der chilenische Maler Fancisco Sierra (*1977) hat in seiner Kunst eine eigene Bildsprache entwickelt, die sich durch technische Präzision, konzeptuelle Spannung und Witz auszeichnet.

Francisco Sierra, Cinq Dauphins, 2023, © Courtesy the artist and von Bartha, Foto: Sebastian Verdon
„Ich mag es, dass Humor ein Überraschungsmoment schafft – und die Synapsen plötzlich ein Fest feiern, weil sie damit nicht gerechnet haben.“ Die Lust am Experimentieren und das Hinterfragen von starren Kategorien wie die Verknüpfung von Alltäglichem mit kunsthistorischen Traditionen zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk von Sierra. Vorlagen von selbstgefertigten Tonmodellen, Stockfotos oder kitschverdächtige Requisiten dienen ihm dazu, das vermeintlich Banale und Vertraute in seinen Gemälden neu zu interpretieren: Maßstäbe werden grotesk verändert und Objekte in neue, skurril wirkende Zusammenhänge platziert. Sierra spielt mit einer unbändigen Lust und Neugier mit der Illusion der Wirklichkeit und der Ambivalenz der Dinge. Ein Beispiel ist der titelgebende Alfombra, ein Teppich, auf den man sich einerseits mit schmutzigen Schuhen stellt, der andererseits verehrt wird, sobald er an der Wand hängt. Grund genug für Sierra, diesen Widerspruch aufzugreifen und künstlerisch zu betrachten.
Mit dem Band Francisco Sierra. Alfombra schenkt uns der Künstler mit zahlreichen Abbildungen und einem ausführlichen Interview tiefe Einblicke in sein faszinierendes Universum. um
Francisco Sierra. Alfombra Hrsg. vom Kunstmuseum Solothurn Text: Deutsch/Englisch 160 Seiten, 100 Abbildungen Hirmer Verlag € 45,–
