Carl Grossberg
Maler der Neuen Sachlichkeit
No. 01/2026
Kaum ein anderer Künstler seiner Zeit stellte die Lebenswelt der industrialisierten Moderne in den 1920er und frühen 1930er Jahren so klar, nüchtern und zugleich magisch dar, wie der Maler Carl Grossberg (1894–1940). Die erste Retrospektive seit über 30 Jahren präsentiert rund 50 Gemälde und 100 Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken, darunter eine Reihe bislang unbekannter und nie gezeigter Arbeiten.

Carl Grossberg, Selbstbildnis, 1928, Foto: Karen Bartsch
Carl Grossberg inszenierte sich ein einziges Mal auf einem Gemälde selbst, und auch dort, auf seinem Selbstbildnis von 1928, bediente er sich seiner bevorzugten Motive aus den Bereichen Architektur und Industrie: Er positionierte sich vor einem massiven und martialisch wirkenden Dampfhammer, eingebettet in eine moderne Industrielandschaft. Grossberg wurde in Elberfeld geboren, einer damals aufstrebenden Industriestadt, die heute zu Wuppertal gehört. Er studierte Architektur, wobei seine Ausbildung auch die Malerei beinhaltete. Nach dem Ersten Weltkrieg, der ihn tief traumatisierte, immatrikulierte er sich bei Walter Gropius am Bauhaus in Weimar.
Zu seinen wichtigsten Lehrern zählten Paul Klee, Johannes Itten und insbesondere Lyonel Feininger. Auch wenn Grossberg nur bis 1921 in Weimar blieb, so fühlte er sich Zeit seines Lebens der „Bauhausidee“ und seinem Vorbild Feininger künstlerisch verbunden.
Grossbergs Gemälde sind meist menschenleer und werden von Maschinen, Industrieanlagen und Architektur beherrscht, die er mit formaler Klarheit und Strenge in Szene setzt. Sie verkörpern ein neues, fotografisches Sehen und spiegeln den technischen Fortschritt im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wider. Dabei hinterfragt Grossberg die Auswirkungen dieser Entwicklung auf den Menschen durchaus kritisch. Seine Arbeiten, darunter auch die ikonischen Traumbilder, sind beeindruckende Zeugnisse der Zwischenkriegszeit, mit all den Hoffnungen und Visionen, aber auch Ängsten, Traumata und Verstörungen, die die Menschen dieser Zeit bewegten.
Die Ausstellungsstationen in Wuppertal und Würzburg, beides Orte, die eng mit der Biografie Carl Grossbergs verbunden sind, bieten eine einmalige Gelegenheit, den Maler neu zu entdecken und festzustellen, wie erstaunlich modern und aktuell seine Kunst bis heute wirkt. cs
Carl Grossberg Sachlich – Magisch – Visionär Bis 30. August 2026 Von der Heydt-Museum, Wuppertal Sept. 2026 bis 17. Jan. 2027 Museum im Kulturspeicher, Würzburg Katalog zur Ausstellung Hirmer Verlag € 45,–
