Paula Modersohn-Becker

„Rücksichtslos und geradeaus malend“

No. 01/2026

Paula Modersohn-Becker (1876–1907) wurde erst nach ihrem frühen Tod als eine große Wegbereiterin der Moderne erkannt und gewürdigt. Während ihrer rund zehn Schaffensjahren entstand ein umfangreiches und bahnbrechendes Werk von nahezu 750 Bildern und über 1400 Zeichnungen, darunter ikonische Gemälde wie das Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag aus dem Jahr 1906, das als erster Selbstakt einer Künstlerin in die Kunstgeschichte eingegangen ist.

Paula Modersohn-Becker, Selbstbildnis mit roter Rose, um 1905, Paula­Modersohn-Becker Stiftung, Bremen
© Paula Modersohn-Becker Stiftung, Bremen

Nach ihren Jugendjahren, die Paula Modersohn-Becker überwiegend in Bremen verbrachte, begann sie eine Ausbildung an einer privaten Mal- und Zeichenschule in Berlin und führte ihr Studium ab 1898 in der Künstlerkolonie Worpswede bei Fritz Mackensen fort. Dort lernte sie auch ihren späteren Mann, den Maler Otto Modersohn, kennen. Künstlerisch setzte sie sich in den frühen Jahren intensiv mit Farb- und zunehmend reduziertem Bildaufbau auseinander. 1900 unternahm sie die erste von insgesamt drei Reisen nach Paris und begegnete dort den Werken der französischen Avantgarde, die sie nachhaltig beeinflussten. Neben Landschaftsstudien und Stillleben rückte als zentrales Thema der Mensch in den Fokus der Malerin. Vor allem Kinder, alte Frauen, Bäuerinnen aber auch sich selbst hielt sie in zahlreichen Porträts fest, in denen sie sich immer mehr von einer naturalistischen Wiedergabe emanzipierte.

Zu Lebzeiten war es nur ein kleiner Kreis, der die Werke der Künstlerin in ihrem Worpsweder oder Pariser Atelier zu sehen bekam. Einer davon war Rainer Maria Rilke, der mit Clara Westhoff, Bildhauerin und Freundin der Malerin, verheiratet war. Nach einem Atelierbesuch bemerkte er: „Das merkwürdigste war, Modersohns Frau an einer ganz eigenen Entwicklung ihrer Malerei zu finden, rücksichtslos und geradeaus malend, Dinge, […] die doch noch nie einer sehen und malen konnte. Und auf diesem ganz eigenen Weg sich mit van Gogh und seiner Richtung seltsam berührend.“

Anlässlich ihres diesjährigen 150. Geburtstags wird Paula Modersohn-Becker mit der großen Retrospektive Becoming Paula in dem ihr gewidmeten Museum in Bremen gefeiert. Gezeigt wird eine beeindruckende Auswahl ihrer enigmatischsten und berührendsten Bilder und Zeichnungen – die beste Art, sich der Künstlerin auch als Person zu nähern, wobei „ihr Geheimnis, das immer irgendwie um sie war“, wie es ihre jüngere Schwester und Vertraute Herma schilderte, wohl nie vollständig gelüftet werden wird. cs

Becoming Paula
Bis 13. September 2026
Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen

Katalog zur Ausstellung
Paula Modersohn-Becker.London Berlin Worpswede Paris
Text: dt. + engl. in getrennten Ausgaben
Hirmer Verlag € 35,–