Kerry James Marshall

„Eine packende Präsenz“

No. 01/2026

Mit der größten Retrospektive, die bisher in Europa gezeigt wurde, würdigt das Kunsthaus Zürich einen der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, den afroamerikanischen Maler Kerry James Marshall (*1955). Die Schau präsentiert zentrale Arbeiten aus seinem malerischen Werk der letzten 40 Jahre und umfasst elf Werkgruppen sowie eine neue Serie, die sich mit dem Thema der Versklavung von Afrikaner*innen auseinandersetzt.

Kerry James Marshall, Haul, 2025, © Kerry James Marshall, Foto: Courtesy of the artist and David Zwirner, London

Marshalls künstlerische Kraft zeigt sich in seinen monumentalen Kompositionen voller Farbe und Emotion, die die Bildsprache der großen Meister wie Giotto und Géricault mit den Lebenswirklichkeiten Schwarzer Gemeinschaften verbinden. Seit den 1980er Jahren arbeitet Marshall thematisch auf verschiedenen Ebenen. Sein Interesse an westlicher Kunstgeschichte sowie seine Beschäftigung mit historischen Themen in Genres wie der Landschafts- und Porträtmalerei werfen bei ihm die Fragen auf, warum Schwarze Künstler*innen im Kanon der westlichen Kunst meist fehlen – und gerade wegen dieser Auslassung dann aber von der Kunstgeschichte romantisiert wurden. „Ich will keine Bilder schaffen, die bloß Empathie für das Motiv wecken. Mein Ziel sind Bilder, die fesseln, zum Hinsehen zwingen und zum Nachdenken anregen. Ich will eine Präsenz schaffen, der man sich nicht entziehen kann.“ Mit beeindruckender erzählerischer Intensität verknüpft Marshall in seinen Werken Motive aus Popkultur, Politik, afroamerikanischem Alltag und persönlichen Erinnerungen zu komplexen Bildwelten, in denen Fragen von Repräsentation, Macht, Zugehörigkeit und historischer Verantwortung ebenso verhandelt werden wie Freude, Präsenz und Hoffnung. cs

Kerry James Marshall
The Histories
Bis 16. August 2026
Kunsthaus Zürich

Katalog zur Ausstellung
Hirmer Verlag € 50,–