Römer

Gesichter eines Weltreiches

No. 01/2026

Das Ausstellungszentrum Lokschuppen in Rosenheim hat sich seit seiner Eröffnung 1988 zu einem Ort für hochkarätige kulturhistorische, natur- und völkerkundliche Sonderausstellungen entwickelt, die stets zahlreiche Gäste vor allem aus der Region und aus München anlocken. Vom 20. März 2026 über den Jahreswechsel hinweg bis zum 1. August 2027 zeigt das Ausstellungshaus mit der opulenten Schau Römer – Gesichter eines Weltreiches bereits seine 50. Ausstellung.

„Lebendige“ Erinnerung: Mumienporträt, © Staatliches Museum Ägyptischer Kunst, München

Das Imperium Romanum war eine antike Supermacht, die bis heute fasziniert. Das Großreich umfasste in Zeiten seiner größten Ausdehnung den gesamten Mittelmeerraum, weite Teile Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. In der Geschichte der Menschheit hat es nur wenige Reiche gegeben, die ein ähnliches Ausmaß erreichten. Unübertroffen ist auch die zeitliche Dauer des Römischen Reiches. Von der sagenhaften Gründung Roms im 8. Jahrhundert v. Chr. – „Sieben, fünf, drei – Rom schlüpft aus dem Ei“ – bis zur Absetzung des letzten weströmischen Kaisers im Jahre 476 n. Chr. vergingen fast 1200 Jahre.

Die Bedeutung der Römer reicht bis in die Gegenwart. Aus dem Latein haben sich die romanischen Sprachen wie Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch entwickelt. Die römische Schrift ist analog und digital die weltweit am weitesten gebräuchliche Schriftform. Das römische Recht ist ein Vorläufer heutiger Rechtsprechung. Und römische Ingenieurskunst wie die das Reich umspannenden Fernstraßen oder die Aquädukte zur Wasserversorgung römischer Städte beeindrucken noch immer. Andererseits ist das Römische Reich von Brutalität geprägt: Eine schier endlose Folge blutiger Kriege, Sklaverei, Menschenhandel, Zwangsarbeit, Kreuzigungen und grausame Gladiatorenkämpfe als populäre Spektakel zählen zu den Schattenseiten der römischen Zivilisation.

Der besondere Ansatz der Ausstellung und des sie begleitenden Kataloges (Hirmer Verlag € 40,–) ist die fiktionale Erzählung: Durch frei erfundene, aber historisch genau recherchierte Biografien werden dem Besucher die Vielfalt und der Facettenreichtum römischer Existenzen nahegebracht. Vom Senator bis zur Hebamme, vom Kaiser bis zur Händlerin, vom Legionär bis zum Gladiator entwirft die Ausstellung ein lebendiges Panorama. Neben 500 Exponaten, vom Schatzfund bis zum Alltagsgegenstand, beeindrucken die aufwendigen analogen und digitalen Inszenierungen. wr

Römer - Gesichter eines Weltreiches
20. März 2026 bis 1. August 2027
Ausstellungszentrum Lockschuppen Rosenheim

Katalog zur Ausstellung
Hirmer Verlag € 40,–