Niki de Saint Phalle

„Nichts konnte mich aufhalten“

No. 02/2026

Als Künstlerin in einer überwiegend von Männern dominierten Kunstwelt schuf Niki de Saint Phalle (1930–2002) ein ebenso radikales wie facettenreiches Gesamtwerk. Emanzipierte Frauenfiguren, visionäre Gegenentwürfe zu bestehenden, patriarchalen Gesellschaftsstrukturen und der Glaube an die transformative Kraft der Kunst prägen ihr Œuvre.

Niki de Saint Phalle, La tempérance, Modell für Jardin des tarots, 1985, © Niki Charitable Art Foundation, VG Bild-Kunst 2026, Bonn; Foto: Sprengel Museum Hannover/Herling/Herling/Werner

Die Ausstellung Niki de Saint Phalle. Dream Machine folgt mit mehr als 100 Werken, darunter Filme, Happenings und Modelle monumentaler Skulpturen, der Entwicklung dieser wegweisenden Künstlerin über vier Jahrzehnte. Im Mittelpunkt steht ihr Kampf für weibliche Selbstbestimmung und gegen traditionelle Frauenrollen und Abhängigkeiten. Mit ihren Schießbildern, den sogenannten Tirs, verlieh sie ihrem künstlerischen Ausdruck eine radikale, neue Form. In den spektakulären Aktionen, bei denen sie mit dem Gewehr auf mit Farbe gefüllte Assemblagen schoss, rechnete Saint Phalle symbolisch mit männlich geprägten Machtstrukturen ab. Eine entscheidende Phase ihres Werkes markieren die ab Mitte der 1960er Jahre entstandenen überlebensgroßen Nanas, die eine neue Weiblichkeit einläuten: selbstbewusst, kraftvoll und voller Lebensfreude. Die gewaltigen

Dimensionen waren bewusst gewählt, Saint Phalle verstand darin die Entladung einer über Generationen angestauten Energie: „Man sieht hier den Größenwahn einer Frau, die schließlich zweitausend Jahre darauf gewartet hat, sich so ausdrücken zu können, wie ich es heute tue.“

Ein zentrales Leitmotiv der Ausstellung ist der Traum – nicht als Flucht vor der Realität, sondern als Vision einer gerechteren Gesellschaft. Saint Phalle entwarf eine Welt, in der Gleichberechtigung, Gemeinschaft und Fantasie den sozialen Wandel vorantreiben. Eines der einprägsamsten Beispiele für ihr Denken ist der Tarot-Garten in der Toskana. Über viele Jahre hinweg schuf sie dort gemeinsam mit ihrem Partner Jean Tinguely, Assistent*innen und lokalen Handwerker*innen ein begehbares Gesamtkunstwerk, das sie als ihre Lebensaufgabe verstand.

Zugleich beleuchtet die Ausstellung die Arbeitsbedingungen einer Künstlerin. Die Zusammenarbeit mit Kollegen, darunter auch Yves Klein, eröffnete Möglichkeiten, macht aber ebenso Konkurrenz und ungleiche Machtgefüge sichtbar. Im Dialog mit zeitgenössischen Positionen von Yayoi Kusama, Dorothy Iannone und Alina Szapocznikow wird deutlich, wie konsequent Saint Phalle eine eigenständige künstlerische Sprache entwickelte und sich damit erfolgreich in der internationalen Kunstwelt etablierte. cs

Niki de Saint Phalle. Dream Machine
Bis 7. Februar 2027
Kunstpalast, Düsseldorf

Katalog zur Ausstellung
Hirmer Verlag € 45,–