Fresko-Kunsträtsel

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No. 02/2018

Wer bin ich?

Waren Sie schon einmal in Heidelberg? Eine herrliche Stadt. Ich kam dort zur Welt, allerdings in einem Jahr, das ich als ungemütlich bezeichnen möchte: Acht Wochen vor meiner Geburt standen sich dort über 16.000 österreichische und französische Soldaten gegenüber. Es war dasselbe Jahr, in dem ein nicht sehr großgewachsener Korse, der Weltgeschichte schreiben sollte, in Paris einen royalistischen Aufstand niederschlagen ließ.

Meinen Vater, ein ehemaliger Soldat des französischen Königs, der unseren Lebensunterhalt mit Französischunterricht verdiente, und meine Mutter liebte ich innig, und trotzdem hatten sie unter meinen Zornesausbrüchen zu leiden. „Wann werde ich endlich unseren lieben Gott versöhnen, dass er mir ein sanfteres Gemüthe schenke“, schrieb ich als junger Mann an meine Eltern. Zu dieser Zeit war ich in Rom, meine aristokratische Gönnerin aus Darmstadt hatte mir diese Reise ermöglicht. Die Strecke zwischen Heidelberg und Rom legte ich überwiegend zu Fuß zurück, etwas mehr als einen Monat war ich unterwegs. Aber nicht allein. Mein vierbeiniger Freund, ein Hund, den ich nach einem Berner Alpenpass benannte und der mir nicht nur Gesellschaft leisten sollte, sondern auch Räuber fernhielt, begleitete mich.

Als wir am 21. November in Rom eintrafen, müssen wir ein  wunderliches Paar abgegeben haben: Der Wanderer mit einem kleinen Ränzlein auf dem Rücken und der riesige Hund, bald waren wir stadtbekannt. Ich wurde von Malerkollegen und anderen Künstlern in ihren Freundeskreis aufgenommen. Als Treffpunkt diente uns ein Café, hier wurde gefeiert, diskutiert, gestritten, Schach gespielt und gearbeitet. Es wurde ein zweites Zuhause, das ich in mehreren Skizzen festhielt.

Als Künstler stand ich mit meinen 21 Jahren am Beginn einer vielversprechenden Karriere, das gestanden mir sogar meine Gegner zu. Denn die hatte ich durchaus, meine Wutanfälle waren gefürchtet. Auch als ich mich mit einem meiner Kollegen meines Hundes wegen duellierte – er hatte Besitzanspruch auf ihn erhoben – schüttelten nicht wenige den Kopf über mein hitziges Temperament. Das Duell ging übrigens für alle Beteiligten glimpflich aus.

Wenn ich ein etwas „sanfteres Gemüthe“ gehabt hätte, etwas vorsichtiger und umsichtiger gewesen wäre, dann wäre ich vielleicht nicht Ende Juni im Tiber baden gegangen. An einer gefährlichen Stelle, die vier Tage zuvor meinem Hund fast zum Verhängnis geworden war, erfasste mich ein Strudel. Weder meine Freunde noch mein am Ufer heulender Hund konnten mich retten. Ich ertrank, gerade einmal 22 Jahre alt. Mein treuer Reisebegleiter konnte es nicht fassen und blieb dort, wo mich die Fluten verschlungen hatten. Wer bin ich?

Wer bin ich? Das Kunsträtsel mit Gewinnchancen
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Einsendungen an: fresko1@hirmerverlag.de
Einsendeschluss am 7.Juli 2018
Auflösung des Kunsträtsels aus Fresko 01/2018:
Pablo Picasso (1881–1973)