Die Blauen Reiterreiterinnen

„Morgen geht’s wieder los in was Neues, Unbekanntes“

No. 02/2026

Der Blaue Reiter gilt als eine der bedeutendsten Künstlergemeinschaften der klassischen Moderne, doch ist ihre Geschichte bislang nur unvollständig erzählt worden. Denn neben den bekannten männlichen Protagonisten wirkten zahlreiche Künstlerinnen an der Entwicklung dieser internationalen Avantgarde mit – als Malerinnen, Grafikerinnen, Autorinnen und Netzwerkerinnen. Einige von ihnen gerieten jedoch in Vergessenheit oder wurden in der Kunstgeschichtsschreibung nur am Rande wahrgenommen.

Marianne von Werefkin, Der Tänzer Alexander Sacharoff, 1909, Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona, © Fondazione Marianne Werefkin; Foto: Museo Comunale d’Arte Moderna, Ascona

Die Ausstellung Die Blauen Reiterreiterinnen – eine Wortschöpfung von Else Lasker-Schüler – rückt die prägenden Künstlerinnen aus dem Umfeld des Blauen Reiter erstmals in den Mittelpunkt und lässt sie als eigenständige Akteurinnen einer Epoche sichtbar werden, die sie entscheidend mitprägten. Neben den etablierten Namen Gabriele Münter und Marianne von Werefkin eröffnen die Werke und Biografien weiterer Protagonistinnen neue Perspektiven auf die Entstehung der Moderne: Erma Bossi, Sonia Delaunay-Terk, Emmi Dresler, Elisabeth Epstein, Elisabeth Erdmann-Macke, Maria Franck-Marc, Natalia Goncharova, Else Lasker-Schüler, Olga Meerson, Carla Pohle und Elsa Schiemann.

Sie alle setzten sich gegen die gesellschaftlichen Konventionen ihrer Zeit durch, entwickelten internationale Netzwerke und erkämpften sich ihren Platz als selbstständige Künstlerinnen. Mehr als 150 Werke machen die außergewöhnliche Vielfalt ihres Schaffens sichtbar und verdeutlichen, wie eng künstlerische Innovation und gesellschaftliche Emanzipation miteinander verbunden waren. Die Künstlerinnen experimentierten mit Farbe, Form und Ausdruck, entwickelten eigenständige Positionen innerhalb der Avantgarde und behaupteten sich in der von Männern dominierten Kunstwelt. Ihre Arbeiten spiegeln zugleich die großen Fragen ihrer Zeit: Identität, Geschlechterrollen, Freiheit und die Suche nach neuen Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks.

Ausgehend von München als Zentrum der Frauenbewegung um 1900 spannt die Ausstellung einen Bogen von der Entstehung des Blauen Reiter über die Weimarer Republik bis zu Exil und Schaffensphasen der Künstlerinnen in den 1940er Jahren. Der von Else Lasker-Schüler geprägte Begriff „Blaue Reiterreiterinnen“ dient dabei als programmatischer Titel: Er verweist auf die Sichtbarkeit jener Künstlerinnen, deren Bedeutung für die Entwicklung der Moderne lange unterschätzt wurde.

Die erste Station dieser Blockbuster-Ausstellung ist das Museum Wiesbaden (23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027), anschließend gastiert sie im Bremer Paula Modersohn-Becker Museum (13. März bis 29. August 2027), bevor sie im kommenden Jahr in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München zu sehen ist (12. Oktober bis 23. April 2027). Im Frühjahr 2028 endet die Wanderausstellung der Blauen Reiterreiterinnen in Ascona. Der Katalog erscheint rechtzeitig zum Ausstellungsstart in Wiesbaden im Hirmer Verlag und kostet € 50,–. cs

Die Blauen Reiterreiterinnen
23. Oktober 2026 bis 21. Februar 2027
Museum Wiesbaden

Katalog zur Ausstellung
336 Seiten, 225 Abbildungen
Hirmer Verlag € 50,–

Am 15. Oktober 2026 wird es auf der Munich
Highlights einen Art Talk Der Blaue Reiter und seine Reiterinnen geben.