Pop Art made in Germany
„Die Kunst ist kein Ausflug ins Disney-Land“
No. 01/2026
Rund ein Jahr nach der Mondlandung von 1969 ließ der deutsche Künstler Bodo Boden in seinem Siebdruck Whoom (Mondfähre) einen riesigen roten Lippenstift in goldfarbener Hülle über eine Kraterlandschaft schweben. Das Bild erinnert an Andy Warhol, der Alltags- und Werbemotive für seine Pop-Art-Werke verwendete, und veranschaulicht, dass es auch eine deutsche Variante dieser Kunstrichtung gab, die dem internationalen Vergleich locker standhält.

Bodo Boden, Whoom (Mondfähre), 1970
© G. Bodo Boden und seine Lizenzgeber
Das Phänomen der Pop Art verortet man automatisch in England und Amerika, aber auch in Deutschland etablierte sie sich in den 1960er und 70er Jahren in künstlerisch starken Positionen von Joseph Beuys, Sigmar Polke und Gerhard Richter über Konrad Lueg, Maina-Miriam Munsky und Timm Ulrichs bis zu Klaus Staeck und Thomas Bayrle, um nur einige Namen der rund 40 Künstler*innen zu nennen, die in der Ausstellung German Pop Art in Oberhausen zu sehen sind. Die Besonderheit der deutschen Pop Art ist einerseits die Verschränkung mit Kunstströmungen wie Fluxus, Neo-Realismus, Fantastischer Realismus, Op-Art und ZERO, zum anderen die politische Schärfe, mit der die Kunstschaffenden die radikale Demokratisierung von Kunst verfolgten, Kritik am Konsumverhalten übten sowie Antikriegshaltungen und Vergangenheitsbewältigung thematisierten. Die herausragende Sammlung von Heinz Beck ermöglicht einen umfassenden Überblick über die deutsche Pop Art und ihre besondere Qualität. cv
German Pop Art Zwischen Provokation und Mainstream Bis 3. Mai 2026 Ludwiggalerie Schloss Oberhausen Katalog zur Ausstellung Hirmer Verlag € 45,–