Sehnsucht nach Italien

Die Wiederentdeckung von Friedrich Nerly

No. 01/2026

Friedrich Nerly, den großartigen Maler der Romantik, gilt es neu zu entdecken. Da er fast ausschließlich in Italien wirkte, geriet er hierzulande in Vergessenheit. Zu Unrecht, wie bereits das Angermuseum in seiner Geburtsstadt Erfurt 2024/25 in einer Retrospektive vor Augen geführt hatte. Während die dortige Ausstellung vor allem Nerlys Zeit in Venedig in den Blick genommen hatte, widmet sich die Kunsthalle Bremen seinen prägenden Jahren in Rom von 1829 bis 1835.

Friedrich Nerly, Campagnalandschaft mit Aqua Claudia, 1836, Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Die Ewige Stadt galt in der Romantik als das Mekka für Künstler aus ganz Europa; Rom stand im Ruf, die am häufigsten dargestellte Stadt der Welt zu sein. Friedrich Nerly (1807–1878) war von einer Sehnsucht nach dem Süden und einer glühenden Antikenbegeisterung beseelt. Der gesellige Maler fügte sich in die dortige deutschsprachige Künstlerkolonie bestens ein. Aufgrund seiner Italienbegeisterung änderte er seinen Zunamen Nehrlich in Nerly, was italienischer klingt. In Rom fertigte er Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde an. Sein gut vernetzter Mentor Carl Friedrich von Ruhmohr konnte ihm Aufträge verschaffen und Nerly Gemälde erfolgreich verkaufen.

Berühmt wurden seine Veduten römischer Wasserleitungen in der Campagna südlich von Rom. Ausschlaggebend für die Wahl dieses Motivs war sicher die Einbettung der melancholisch wirkenden Aquäduktruinen in die malerische Landschaft entlang der Via Appia. Obgleich Künstler wie Piranesi und Tischbein, der Goethe in der Campagna porträtiert hatte, die Aquädukte bereits im 18. Jahrhundert als Bildmotiv entdeckt hatten, fand Nerly seine eigene Bildsprache. Er rückte die Bogen der Wasserleitung prominent in den Vordergrund, schuf eine harmonische Verbindung von Bauwerken und Landschaft und stellte die Bauten so präzise dar, dass Archäologen sie später mühelos identifizieren konnten. wr

Natur und Antike
Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom
Bis 5. Juli 2026
Kunsthalle Bremen

Katalog zur Ausstellung
Hirmer Verlag € 50,–


 

 

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