Nie wieder!
Beweis zu Nichts, Häftlingsjacke, Onkel Rudi
No. 02/2026
Gegen das Vergessen zu arbeiten und Erinnerung wachzuhalten, ist ein Kampf gegen die Zeit. Das wird klar, wenn Zeitzeug*innen der Shoah das Wort ergreifen, von Erlebnissen in Konzentrationslagern erzählen und die gegenwärtige gesellschaftliche Situation beschreiben. Kunstwerke mit Titeln wie Menschlich, Himmler, Deportation, Suppe auslöffeln, Deutschstunde, und Hand und Fuß setzen dort Zeichen, wo Worte fehlen.

Raffael Rheinsberg, Hand und Fuß, 1980, © Neues Museum Nürnberg; Foto: Annette Kradisch
„Ich wünsche mir ein Land, in dem niemand Angst haben muss, eine Kippa zu tragen. In dem jüdische Einrichtungen ohne Wachposten auskommen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, die rechtzeitig erkennt, wenn Menschen ausgegrenzt oder entmenschlicht werden sollen. Eine Gesellschaft, die sich gegen autoritäre Fantasien wehrt – gegen die Vorstellung eines geschlossenen Landes, in dem nur noch bestimmte Menschen als ,richtig‘ gelten“, schreibt die Präsidentin des Internationalen Ausschwitz Komitees, Eva Umlauf, die im Alter von zwei Jahren interniert wurde und das damals wie heute Unausgesprochene, aber Gefühlte in Worte kleidet – „ich verstand sehr genau, was es bedeutete, wenn jemand ,von dort nicht zurückgekommen ist‘. Man sagte, er sei ,dort geblieben‘.“
Das Unaussprechliche zu erinnern, zu bearbeiten, zu beschreiben, zu besprechen sowie Wege in die Zukunft aufzuzeigen, ist das Ziel der Bundeskunsthalle, die mit künstlerischen Positionen u.a. von Christian Boltanski, Edith Bán Kiss, Käthe Kollwitz, Marcel Odenbach, Raffael Rheinsberg, Gerhard Richter, Gregor Schneider, Louis Stettner und Luc Tuymans sowie Objekten und Dokumenten Werkgruppen bildet, Gefühlserbe transportiert und Appelle formuliert. Wissen, Tatorte, Denkmäler, Gedächtnis und Zukunft – diesen Kapiteln werden Untertitel zugeordnet wie „Die Fakten schützen und weiter forschen“, „Beweise sichern und Gedenkorte bewahren“. Ebenso wie offene Fragen: „Wie halten wir die Geschichte lebendig?“ Und: „Wie schützen wir die Demokratie?“ af
Nie wieder! Gegen das Vergessen der NS-Verbrechen 11. Oktober 2026 bis 2. Mai 2027 Bundeskunsthalle, Bonn Katalog zur Ausstellung Hirmer Verlag € 40,–