Menschlicher Verlust

Die Suche nach jüdischen Kunstsammlungen

No. 02/2026

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten jüdische Sammler*innen ein besonderes Gespür für die Kunstströmungen der Moderne. Impressionistische, expressionistische und Werke der Neuen Sachlichkeit fanden deutschlandweit Eingang in zahlreiche hochkarätige Kollektionen, die während der NS-Diktatur zerstört wurden. Das Bucerius Kunst Forum stellt derzeit 100 Meisterwerke der Avantgarde in den biografischen Kontext ihrer einstigen Eigentümer und macht damit den menschlichen Verlust innerhalb der deutschen Kulturgeschichte sichtbar.

Franz Wilhelm Seiwert, Diskussion, 1926, Kunstmuseum Bonn, © Artothek, Foto: Reni Hansen

Von Garmisch-Partenkirchen bis Itzehoe, von Aachen bis Königsberg recherchierten die Forschenden die Wohnorte von mehr als 150 jüdischen Sammler*innen. Sie teilten das Schicksal von Verfolgung, Enteignung, Deportation und Ermordung; ihre als „entartet“ diffamierten Kunstwerke wurden enteignet, zwangsverkauft, beschlagnahmt, geplündert, zerstört oder umverteilt.

Dem Bucerius Kunst Forum gelang es, dank internationaler Verbindungen 13 Sammlungen zu rekonstruieren, diese mit den Geschichten ihrer früheren Besitzer*innen zu verknüpfen und mit entsprechenden Werken zu präsentieren. Zu ihnen zählen Martha und Walter Blank, die persönlich mit Künstlern wie F. W. Seiwert befreundet waren, die Familie Hirschland als Sammler von F. Hodler, P. Cézanne sowie M. Liebermann oder auch Rosa Schapire, eine bedeutende Förderin der Brücke-Künstler. Nach ihrer Flucht nach London fiel ihre Sammlung in die Hände der Nazis. Zu den ausgestellten Objekten zählen Schmuck, Skulpturen und Gemälde von Karl Schmidt-Rottluff, der seine Gönnerin auch porträtierte.

Die seit der Washingtoner Erklärung von 1998 geforderte Rückerstattung bzw. Entschädigung erweist sich in der Praxis als Hürdenlauf – sowohl im Umgang mit heutigen Privatbesitzern als auch mit Museen. Dies zeigt etwa der Fall des Kunsthändlers Max Stern (1904–1987), dem es zwar gelang, im britischen Exil eine neue Galerie zu eröffnen, der später jedoch nur einen Teil seiner Werke zurückerlangen konnte. Anders bei Peter Hans Rudolf Eisner, später Easton (1924–2009), dessen Kinder erst nach seinem Tod durch einen Koffer voller Unterlagen von seinem früheren Kunstbesitz erfuhren. af

Von Monet bis Picasso
Jüdische Kunstsammler:innen der Moderne in Deutschland
Bis 28. März 2027
Bucerius Kunst Forum, Hamburg

Katalog zur Ausstellung
360 Seiten, 120 Abbildungen
Hirmer Verlag € 55,–


 

 

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