Marisol

Eigenwillig – radikal – visionär

No. 02/2026

Sie war ein Star der US-amerikanischen Pop-Art, bevor sie in Vergessenheit geriet: In den 1960er Jahren gehörte María Sol Escobar (1930–2016), die sich selbst Marisol nannte, zu den prägenden Künstlerinnen der New Yorker Kunstszene. Mit ihren skulpturalen, farbig bemalten und häufig lebensgroßen Holzfiguren entwickelte sie eine unverwechselbare Formensprache, die sich zwischen Pop-Art, Dada, Volkskunst und Nouveau Réalisme bewegt.

Marisol, La visita, 1964, Museum Ludwig, Köln, © Estate of Marisol / 2026, ProLitteris, Zürich; Foto: Historisches Archiv der Stadt Köln mit Rheinischem Bildarchiv/Britta Schlier

Marisol beobachtete ihre Zeit mit präzisem Blick und viel Sinn für Ironie. Ihre Werke kreisen um Fragen, die nichts an Aktualität verloren haben: um Geschlechterrollen und gesellschaftliche Ungleichheit, Konsum und Berühmtheit, Macht und Abhängigkeit, Umweltzerstörung sowie die Folgen kolonialer Strukturen. Persönliche Erfahrungen und öffentliche Rollenbilder verband sie dabei zu Arbeiten, die zugleich humorvoll, irritierend und gesellschaftskritisch sind. Als zentrales Gestaltungselement setzte sie immer wieder ihren eigenen Körper ein, indem sie Abdrücke eigener Körperteile in ihre Skulpturen integrierte. Obwohl Marisol über mehr als fünf Jahrzehnte ein eigenständiges und vielschichtiges Werk schuf, geriet sie nach ihrem frühen Erfolg weitgehend aus dem Blick der Öffentlichkeit. Eine internationale, vom Louisiana Museum of Modern Art im dänischen Humlebæk und dem Kunsthaus Zürich initiierte Retrospektive mit rund 100 Werken war an beiden Orten bereits zu Gast, kommende Ausstellungsstationen sind das Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam (ab 9. Oktober 2026) und das Museum der Moderne Salzburg (23. April bis 3. Oktober 2027). Der deutsch-englischsprachige Katalog (Hirmer Verlag) kostet € 50,–. um

Marisol
23. April bis 3. Oktober 2027
Museum der Moderne Salzburg

Katalog zur Ausstellung
Text: deutsch/englisch
240 Seiten, 140 Abbildungen
Hirmer Verlag € 50,–



 

 

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