Daphne Wright
Poesie der Lebensphasen
No. 02/2026
Es ist eine Bereicherung, das Werk der irischen Bildhauerin Daphne Wright kennenzulernen und ein Rätsel, weshalb sie auf dem europäischen Festland kaum bekannt ist. Die Ausstellung Daphne Wright. Memory and Presence im Gerhard-Marcks-Haus in Bremen ermöglicht jetzt erstmals einen umfassenden Einblick in das skulpturale Schaffen der 1963 geborenen Künstlerin.

Daphne Wright, Sons and Couch, 2025, © Daphne Wright and Frith Street Gallery, London
Im Zentrum der Museumsschau steht Sons and Couch (2025), eine Installation mit den lebensgroßen Porträts ihrer beiden Söhne, die naturgetreu in Jesmonite – einem umweltfreundlichen Acrylharz – gegossen wurden. Wright kehrt damit zu dem für sie so mächtigen Thema des unaufhaltsamen Vergehens von Zeit sowie generell der Vergänglichkeit des Lebens zurück. Zuletzt hatte sie ihre Söhne 2014 zu Beginn ihrer Jugend dargestellt, elf Jahre später stehen sie an der Schwelle zum Erwachsensein. Der Mittelpunkt des häuslichen Lebens hat sich vom Küchentisch auf das Sofa im Wohnzimmer verlagert. Die Körper sind gewachsen und werden in den für sie typischen Posen erneut in einem Moment eingefangen, der jetzt bereits vergangen ist. Erinnerung und Gegenwart: Beides fließt in diese sonderbar berührende Skulpturengruppe ein, deren Farbigkeit wie die Erinnerung verblasst und nur auf die poetische Essenz der Farbe reduziert ist.
Ein weiteres Beispiel für intime Häuslichkeit liefert eine Gruppe kleiner Wandskulpturen von Tieren, die von Sammlerplakaten stammen, die einst als Beilage der Zeitung The Guardian erschienen. Sie hingen an den Schlafzimmerwänden von Wrights Söhnen. Sorgfältig arrangierte Silhouetten von Hunden und Schmetterlingen sind als Flachreliefs aus ungebranntem Ton dreidimensional nachgebildet und verleihen so dem Impuls kindlicher Fantasie Gestalt. ck
Daphne Wright Memory and Presence Bis 18. Oktober 2026 Gerhard-Marcks-Haus, Bremen Katalog zur Ausstellung Text: Deutsch/Englisch Hirmer Verlag € 45,–