Frau sein

Von Magie, Macht und Weiblichkeit

No. 01/2026

Magie ist heute allgegenwärtig, sie wird von der Popkultur beschworen und als Mittel der Selbstfindung und Heilung propagiert. Gleichzeitig wurde über Jahrhunderte hinweg das negative, frauenfeindliche Bild der „Hexe“ in patriarchalen Gesellschaften als Mittel genutzt, um selbstständige und rebellische Frauen zu dämonisieren, zu verfolgen und aus dem gesellschaftlichen Leben zu verdrängen. Diese Ambivalenz hat die Draiflessen Collection in Mettingen zum Anlass genommen, in der Ausstellung Magische Frauen einige der bedeutendsten Künstlerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts miteinander in Kontext zu setzen.

Zanele Muholi, Faniswa, Seapoint, Cape Town, 2016, © Zanele Muholi. Courtesy of the artist and Yancey Richardson, New York

Der im Anschluss an die Ausstellung erschienene, farbig-schillernde Katalog vereint auf überraschende Weise Künstlerinnen, die das Magische nicht als Gegensatz zum Rationalen verstehen, sondern als Teil des Seins und Erweiterung des Denkens. Durch Imagination, Mystik und Metamorphose entstehen Freiräume, die es den Künstlerinnen erlauben, ihren Körper, weibliche Sexualität sowie Identität in ihrer Kunst nicht nur zu thematisieren, sondern auch zu behaupten. Sie haben unterschiedlichste kulturelle Hintergründe, sei es bezüglich ihrer Herkunft, oder sei es aufgrund der Zeit, in der sie gearbeitet haben. Sie reicht von den 1960er Jahren bis in die Gegenwart.

Da gibt es die New Yorker Fotografin und Performancekünstlerin Bev Grant. Bei ihrer ersten Aktion an der Wall Street im Oktober 1968 inszeniert sie sich als moderne Hexe. Durch Zaubersprüche, Tanz und symbolische Gesten belegt sie zusammen mit ihrer Gruppe W.I.T.C.H. das Finanzzentrum New Yorks mit Flüchen. Oder Rebecca Horn, die 1970 in ihrer legendären Einhorn-Performance, nur mit einem langen hornförmigen Kopfstück bekleidet, langsam ein Weizenfeld durchschreitet. Und mit dieser sogenannten „Körpererweiterung“ eine radikal neue künstlerische Ausdrucksform zwischen Alchemie und Metamorphose erfindet. Die kubanisch-US-amerikanische Künstlerin Ana Mendieta wiederum hält naturverbundene Rituale fotografisch fest, bei denen sie ihre Silhouette in Erde, Sand oder auf Steinen nachformt. Daneben sind die magischen überlebensgroßen Schwarzweiß-Fotografien von Zanele Muholi zu sehen, die den Blick auf jene Menschen richten, die von der hetero-normativen, patriarchalen Gesellschaft in Südafrika ausgeschlossen sind. ck

Magische Frauen
Hrsg. von der Draiflessen Collection
Mit Beiträgen von D. Bäcker, M.R. Brenninkmeijer,
B. Hinrichsen und C. Otto, J. Schoster
240 Seiten, 150 Abbildungen

Hirmer Verlag € 50,–

 

 

 

Die mobile Version verlassen